„Die Kontrakte des Kaufmanns“: so hieß 2009 das erste um Wirtschafsthemen kreisende Theaterstück von Elfriede Jelinek. Sie verfasste es in unmittelbarer Reaktion auf die Finanzkrise 2008 und reflektierte darin erstmals das manifeste Versagen eines aus den Fugen geratenen Finanzkapitalismus. Mit ihrem bei den Salzburger Festspielen von Regisseur Nikolas Stemann zum Theaterstück geformten, literarisch über weite Passagen brillanten Prosatext „Unter Tieren“ knüpft Jelinek diesen Thementeppich nun weiter. Hervorragende Schauspielerinnen wie Caroline Peters oder Marvie Hörbiger werden darin zur Stimme von Tieren, die das Treiben der Finanzakteure fassungslos und kritisch zugleich kommentieren.
Mit der Wahl lokaler Anlassfälle a la Benko oder Commerzialbank Burgenland riskiert die Nobelpreisträgerin allerdings, ins Provinzielle zu kippen. Daran ändern auch die Querbezüge zu Peter Thiel, Elon Musk und all jenen globalen Geldjongleuren nichts, die ihre Geschäfte allzu oft im Grenzbereich zwischen dem gerade noch nicht Illegalen und längst schon Illegitimen treiben.
Bin ich ein Spielverderber, wenn mich überdies die ideologische Monotonität dieses antikapitalistischen Karnevals der Tiere stört? Hier gibt es keinen Spielraum für gelingendes Wirtschaften, hier wird ignoriert, dass nicht jeder Umgang mit Geld in die Hölle führen muss, sondern daraus – Europas Erfolge zeigen es – der Weg zu „Wohlstand für Alle“ geebnet werden kann.
Dass eine nach fairen Spielregeln agierende Wettbewerbswirtschaft seit der Ostöffnung im globalen Wettbewerb neue Arbeitschancen für Menschen aus Ländern geschaffen hat, die in kommunistischen Zeiten jahrzehntelang zur Massenarmut verdammt waren: das bleibt in der strikt marxistischen Sichtweise Jelineks ausgeblendet.
September 2026