„Das Salzburger große Welttheater“ von Hugo von Hofmannsthal, 1922 unter der Regie von Max Reinhardt im Rahmen der gerade erst gegründeten Salzburger Festspiele in der Kollegienkirche uraufgeführt, symbolisierte in den unruhigen Jahren nach dem Ersten Weltkrieg, wofür Kunst gerade auch heute steht: die Suche nach einer Welt der Versöhnung. Ihr gelten all die darstellerischen und musikalischen Angebote, uns vor Opern- und Theaterbühnen zu gemeinsamen Betrachtungen und Ausflügen in Fantasiewelten zu versammeln. Vor der Schreckenskulisse der Angst machenden Realitäten des aktuellen geopolitischen Welttheaters verbindet sich damit die Chance, unsere Vorräte an Hoffnung auf friedliches Zusammenleben neu aufzufüllen.
Zurück im Alltag jedoch dürfen wir uns damit nicht zufriedengeben. Denn künstlerische Beglückung befreit nicht von der Verpflichtung, all jene Zustände wahrzunehmen und beim Namen zu nennen, die von autoritären Polit-Regisseuren und Kulissenschiebern um den Preis kriegerischer Auseinandersetzungen und permanenter Menschenrechtsverletzungen provoziert werden. Friedensforscher sprechen von einem erschreckenden Höchststand von nicht weniger als 35 Kriegen in 31 Ländern. Zugleich wurden – mit den USA als Vorreiter – internationale Notstandshilfen drastisch zurückgefahren.
Die obszöne Ignoranz gegenüber Hungersnöten wird dabei nur eines der Themen sein, zu denen Österreich in seiner kommenden Rolle als Mitglied im UN-Sicherheitsrat initiativ werden kann und soll. Als Standort zahlreicher supranationaler Organisationen haben wir die besondere Verpflichtung, unser Land deutlicher als bisher als wertebewussten Partner zu positionieren.
Das Leitmotiv für Österreichs Gastrolle auf der Bühne des Welttheaters könnte lauten: Der Wahrheit eine Bühne geben.
o6. August 2026