Bei historisch belasteten politischen Begriffen kommt es mitunter zu seltsamen Bewusstseins-Spaltungen der öffentlichen Meinung. Da kann doch tatsächlich eine gewinnende, sozial engagierte Persönlichkeit unter der Flagge der KPÖ Bürgermeisterin von Österreichs zweitgrößter Stadt werden, ohne dass daraus ein politischer Aufreger wird. Eine vergleichbare Unempfindlichkeit wäre nach Rechtsaußen hin aus guten Gründen undenkbar.
Interessant nur, dass sich geopolitisch, drei politische Ebenen darüber, in einigen traditionell kommunistischen Staaten Umgekehrtes abspielt: Seit es nämlich China mit der Entscheidung für eine marktoffene Wettbewerbswirtschaft gelungen ist, große Teile seiner Bevölkerung aus der Massenarmut zu befreien, wird es zum Vorbild verbliebener Bastionen verfehlter Planwirtschaft. So ließ jüngst sogar Kubas Führung verlauten, sich nach dem erfolgreichen vietnamesischen Vorbild schrittweise von der sechs Jahrzehnte lang so dogmatisch wie erfolglos praktizierten staatlichen Lenkung zu verabschieden.
Wohl am Eindrücklichsten belegen die seit dem Fall des Eisernen Vorhanges und der EU-Erweiterung in demokratische, sozial-liberale Marktwirtschaften konvertierten ehemaligen „Ostblock“-Staaten, wie in einer innovativen Wettbewerbswirtschaft Wertschöpfung für alle entstehen kann – so wie das vor ziemlich genau 250 Jahren der visionäre Adam Smith prophezeit hatte. Mit Polen an der Spitze weisen sie allesamt beeindruckendes Wachstum auf.
Vor diesem Hintergrund ist zu hoffen, dass die Grazer Ausnahmesituation nicht zur Stärkung einer wirklichkeitsfremden KP-Romantik führt, die den Blick auf die Fundamente unserer „Wohlstand für Alle“ schaffenden, öko-sozial geprägten Wirtschaftsordnung vernebelt!
09. Juli 2026