Wirtschafts-Nobelpreise werden erst seit 1969 verliehen – für den 1883 in Wien geborenen Joseph Schumpeter, einen der führenden Ökonomen des frühen 20. Jahrhunderts, ging sich das nicht mehr aus, verstarb er doch schon 1950 in den USA. Umso bemerkenswerter, dass er mit der diesjährigen Ehrung posthum „nobel-itiert“ wurde.
Das Nobelpreis-Komitee zeichnete nämlich sehr bewusst das Werk dreier Ökonomen aus, die auf Grundlage des von Schumpeter geprägten Begriffs der „schöpferischen Zerstörung“ zu Fragen der Innovation forschen. Mit der Verleihung an Joel Mokyr, Philippe Aghion und Peter Howitt würdigte man ausdrücklich seine Pionierleistung als Visionär ökonomischen Fortschritts. Zugleich setzte man damit ein klares Signal für nachhaltige industrielle Erneuerung.
Das heimische Medien-Echo auf diese weltweit beachtete Würdigung eines großen Österreichers fiel mehr als bescheiden aus. Wieder einmal wurde deutlich, wie brutal der geistesgeschichtliche Bruch war, den der Zerfall des Habsburgerreiches und die nachfolgende Vertreibung oder gar Vernichtung der Wissenschafts- und Wirtschaftseliten durch die Nationalsozialisten bewirkte. Nicht zufällig ist ja die österreichische Schule der Nationalökonomie in den USA wesentlich bekannter als hierzulande, wo sie in faktische Vergessenheit geraten ist – von Ludwig von Mises bis zu Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek.
Die internationale Würdigung Schumpeters ist jedenfalls ein Grund zur Freude. Schade nur, dass es zu spät ist, mit ihm den doch etwas missverständlichen Begriff der „schöpferischen Zerstörung“ zu klären. Denn in Wirklichkeit geht es ihm ja um Erfindungsreichtum und Innovation – dass damit Altes obsolet und unbrauchbar wird, ist nur Folgewirkung, nicht jedoch Ziel schöpferischen Handelns!
13. November 2025